Die Pflege von nahen Angehörigen ist eine anstrengende Aufgabe. Menschen, die ihre nahen Angehörigen zu Hause pflegen, haben oft zu wenig Zeit: für die Familie, für den Beruf und für die Pflege des nahen Angehörigen.
Viele Menschen können dann nicht mehr arbeiten gehen und fehlen in ihren Unternehmen. Die Pflege von Angehörigen ist traditionell noch immer überwiegend weiblich. Zu über 70 % sind es Frauen, die die Hauptpflegepersonen sind und somit auch die Hauptlast tragen.
Je länger eine Pflegesituation anhält, desto größer ist die Gefahr der gesundheitlichen Belastung der Pflegenden. Zudem ist die Arbeitsfähigkeit oft eingeschränkt. Mit dem Familien-Pflegezeitgesetz gibt es seit 2015 neue Regeln, um Aufgaben in Familie, Pflege und Beruf besser vereinbaren zu können. Die neuen Regeln sollen helfen, die Arbeit zu behalten und die Pflege zu Hause zu schaffen. Dann können alle besser planen. Für die Zeit, die für Pflege-Aufgaben zu Hause benötigt wird, kann man sich von der Arbeit freistellen lassen.
Man entscheidet selbst, wie viel Zeit benötigt wird und kann während dieser Zeit Geld bekommen. Der Arbeitgeber darf nicht kündigen, wenn ihm die gewünschte Auszeit angekündigt wird. Vom Tag der Ankündigung bis zum Ende der Auszeit besteht Kündigungsschutz.

Es gibt drei Möglichkeiten:

  1. Wenn ganz plötzlich ein naher Angehöriger gepflegt werden muss, kann man 10 Arbeitstage von der Arbeit wegbleiben.
    Diese Möglichkeit der Freistellung heißt:
    kurzzeitige Arbeitsverhinderung.
  2. Wenn der nahe Angehörige bis zu 6 Monate zu Hause gepflegt wird, kann man sich ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen.
    Diese Möglichkeit heißt:
    Pflegezeit.
  3. Wenn der nahe Angehörige bis zu 24 Monate zu Hause gepflegt wird, kann man sich teilweise von der Arbeit freistellen lassen.
    Diese Möglichkeit heißt:
    Familien-Pflegezeit.

Die drei Möglichkeiten der Freistellung für die Pflege gelten für nahe Angehörige. Nahe Angehörige sind:

  • Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, Stiefeltern
  • Ehepartner, Lebenspartner
  • Geschwister, Schwägerinnen und Schwäger
  • Kinder, Adoptivkinder, Pflegekinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder
  • Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft
  • Kinder, Adoptivkinder, Pflegekinder des Ehegatten oder des Lebenspartners

Rund um die Pflege eines Angehörigen kommen außerdem viele rechtliche und organisatorische Fragen auf. Deshalb ist es besonders wichtig, sich Beratung und Unterstützung zu holen.

Allgemeine städtische Beratungsstellen

Stadt Bochum – Fachdienst 60+
Diekampstraße 26
(Postanschrift) 44777 Bochum
(Navigation) 44777 Bochum
Telefon: 0234 / 910 – 2829
0234 / 910 – 1180
0234 / 910 – 2772

Seniorentelefon
Mit dem Seniorentelefon wird alten Menschen, ihren Angehörigen und Anbietern im Bereich der Altenhilfe die Möglichkeit eröffnet, auf telefonischem Wege Informationen sowie Beratungen zu erhalten
Telefon: 0234 / 910-2844

Familienbüro
Willy-Brandt-Platz 2 – 6
gegenüber der Stadtbücherei
Telefon: 0234 / 910 – 1100
familienbuero@bochum.de

Weiteres Angebot für pflegende Angehörige zum Thema Alzheimer

Alzheimer Gesellschaft Bochum e. V.
Universitätsstr.77
44789 Bochum
Telefon: 0234 / 337772
info@alzheimer-bochum.de

Persönliche Beratungsgespräche Selbsthilfegruppe pflegende Töchter und Schwiegertöchter, Angehörigenschulung „Hilfe beim Helfen“
www.alzheimer-bochum.de

Mehr allgemeine Informationen im Internet unter:
www.wege-zur-pflege.de

Die einzelnen Beratungsstellen und Seniorenbüros findet man unter:
www.pflegewegweiser-nrw.de

Sowohl Adressen als Informationen zu Pflegegraden, Leistungen der Pflegeversicherung, Aufgaben der Pflegekassen und Möglichkeiten der Unterstützung wie Tagespflegeeinrichtungen, Seniorenwohnheime etc. finden sich im Bochumer Seniorenwegweiser unter:
www.bochum.de/senioren

Kleine Checkliste Pflegefall

Die wichtigsten Fragen für pflegende Angehörige

  • Welche Hilfeleistungen gibt es überhaupt rund um Pflege (Haushaltsdienste, Pflegedienste etc.)?
  • Was ist zu tun, wenn schon im Falle eines Krankenhausaufenthaltes klar ist, dass der /die Angehörige nicht mehr allein zurechtkommen wird (Krankenhaussozialdienst)?
  • Wie ist die Versorgung im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt zu leisten (Kurzzeitpflege, Reha)?
  • Kann eine Pflege zu Hause überhaupt organisiert werden?
  • Welche Möglichkeiten der Heimunterbringung gibt es?
  • Gibt es außer Pflegeheimen noch andere Wohnformen für Ältere (Senioren-Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhäuser)?
  • Wie viel und welche Hilfe braucht der oder die Angehörige (Pflegetagebuch)?
  • Wie können pflegerische Leistungen bezahlt werden (Pflegekasse, Sozialhilfe)?
  • Welche Anträge sind wo zu stellen (Pflegekasse der Krankenversicherung)?